Schonungslos, humorvoll und pointensicher demaskiert Katharina Münk in Denn sie wissen nicht, was wir tun typisch männliches Verhalten im Job, das nirgendwo so krass zutage tritt, wie im klassischen Abhängigkeitsverhältnis zwischen Chef und Sekretärin.
Neulich, am Ende eines langen gemeinsamen Arbeitstages, kam mein Chef aufgewühlt und wütend aus seinem letzten Meeting und gab eine dieser spontanen, ungefi lterten verbalen Gefühlsäußerungen von sich, die ja oft nur ich mitkriege. Die Tirade auf eine unfähige, völlig verständnislose, ja gar feindliche Umwelt endete mit »Herrje, wer bin ich hier eigentlich?« Diese Frage stellt er mir ungefähr ein Mal in der Woche. Und irgendwann würde ich ihm gern tief in die Augen blicken, ihn auf dem Stuhl vor meinem Schreibtisch festbinden und einfach erwidern: »Wollen sie’s wirklich wissen? Ich sag’s Ihnen.«(Aus: »Denn sie wissen nicht, was wir tun«)
Er lobt nie, spricht wenig, wird laut und sagt nachher, sie solle es nicht persönlich nehmen. Während sie in Arbeit untergeht, zelebriert er seine Ungeduld und glaubt, dass sie ihn auch während ihres Urlaubs online eincheckt. Sie hat entweder schon längst abgeschaltet oder reibt sich auf. Dann ist die Luft irgendwann dick – und schließlich raus.
Wo bleibt die Führung, wenn sie noch nicht mal bei der Frau nebenan funktioniert? Hört auf, an euch selbst zu arbeiten, um für jemanden perfekt zu sein, der es nicht zu schätzen weiß und seinerseits einfach so bleibt, wie er ist, ruft Katharina Münk ihren Kolleginnen zu. Wenn ihr Respekt wollt, dreht den Spieß einfach um und erklärt lieber eurem Chef, wie er mit euch umzugehen hat. Macht ein paar von seinen Regeln zu euren Regeln. Denn er macht es sich einfach. Und es kann tatsächlich einfach sein.
Interview mit Deutschlands bekanntester Sekretärin
Frau Münk, in Ihrem ersten Buch wollten Sie Ihren Chef noch killen, jetzt spricht eine fast schon lakonische Nachsicht aus Ihren Worten. Haben Sie resigniert, oder was ist inzwischen passiert?
Nun, mir steht da das deutsche Strafgesetzbuch etwas im Wege. Das Umbringen allein hilft nicht weiter. Wussten Sie in diesem Zusammenhang, dass es viel mehr so genannter Chefs als Sekretärinnen gibt? Nein, im Ernst, ich drehe den Spieß um in diesem Buch: Warum sollen immer nur wir Sekretärinnen in Sachen Chefentlastung lernen und uns optimieren? Wo er, der Chef, doch einfach so bleibt, wie er ist, solange es noch keinen Führerschein für Sekretärinnen gibt.
Mein Buch soll zur Abwechslung einmal den Chefs erklären, wie sie mit uns umzugehen haben. Und ich frage Sie, was ist lakonischer: der schnelle Tod oder die quälende Erkenntnis?
Hat eigentlich jede Sekretärin den Chef, den sie verdient?
Gegenfrage: Hat eigentlich jeder Chef die Sekretärin, die er verdient? Das hat etwas mit Personalauswahl und mit Führung zu tun, und auch dafür werden eher die Chefs als die Sekretärinnen bezahlt, oder? Aus der Sicht der Sekretärin kann man sagen: Wenn ich keine Ansprüche an meinen Chef und an mich selbst stelle, muss ich mich nicht wundern, wenn er sich im Zimmer einschließt.
/// Das Buch
Katharina Münk
Denn sie wissen nicht, was wir tun
Was Chefs über ihre Sekretärinnen erfahren sollten
14.95 Euro, 25.50 sFr
ISBN 9783821865294
/// Vita Katharina Münk
Katharina Münk ist ein Pseudonym. Dahinter verbirgt sich eine von bundesweit hunderttausenden Sekretärinnen. Sie ist verheiratet, lebt in einer deutschen Großstadt und hat in den vergangenen 20 Jahren für Dax-Unternehmen, Großbanken, Kreativschmieden und mittelständische Unternehmen gearbeitet. 2006 erschien ihr Bestseller »Und morgen bringe ich ihn um«, 2007 »Höhenflüge und Höllenfahrten«.



