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Célestin Guittard
"Hat Guittard die politisch korrekten Monstrositäten, die er zu Papier brachte, wirklich geglaubt? Vermutlich war er ein Mitläufer, ein Wendehals von der Sorte, die wir aus unserer eigenen Geschichte nur zu gut kennen. Aber das macht die Lektüre gerade so interessant. Liebevoll aufgemacht, mit einem klugen Vor- und Nachwort, Originalzeichnungen des Verfassers und einem Umschlag in den Farben der Trikolore, wird das Buch Sympathisanten des Ancien Régime und der Jakobiner gleichermaßen erfreuen."
(Jörg von Uthmann, Die Welt, 13. Februar 2010)
In Pantoffeln durch den Terror
Das Revolutionstagebuch des Pariser Bürgers Célestin Guittard
Herausgegeben von Raymond Aubert
Übersetzt von Claudia Preuschoft
Originalausgabe; Einband aus bedrucktem Fahnen-Leinen, Fadenheftung und Lesebändchen
432 Seiten
32.00 Euro, 42.90 sFr
Dezember 2009
Die Andere Bibliothek - Band 300
ISBN:9783821862224
Ein einmaliges privates Zeugnis aus den Pariser Revolutionsjahren
Es ist kaum zu begreifen, dass dieses einzigartige Dokument bislang noch nicht ins Deutsche übertragen wurde: das Revolutionstagebuch des Bürgers Célestin Guittard, der seinem Namen gern ein vornehmes »de Floreban« anhängte. Er war 66 Jahre alt, als er mit seinen Aufzeichnungen über den Alltag in jenen Jahren des Aufbruchs und des Terrors begann. Der wohlgelaunte Witwer im besten Mannesalter, mit guten Renten versehen, wusste die Gunst einer hübschen und pikanten Dame namens »Dasel«, nicht halb so alt wie er, durchaus zu schätzen und versah die Tage des gemeinsamen Vergnügens stets mit einem Kreuzchen. Er beschrieb die Jakobiner-Versammlungen und den ersten öffentlichen Gottesdienst der Protestanten und vermerkte die Einführung der Brotkarten und die Ausgabe von Personalausweisen mit demselben Stoizismus wie die Erfindung der Guillotine und, dann doch etwas erschüttert, Namen und Stand der vielen Geköpften.
Für die Andere Bibliothek traf Wolfgang Müller, lange Jahre Herausgeber der Rowohlt-Monographien, eine Auswahl der Texte und leitete sie ein. Claudia Preuschoft übersetzte die Tagebucheinträge. Der Historiker Volker Ullrich, Autor von glänzenden Studien zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, rückt in seinem Essay die Notizen des »Bürgers« aus dem täglichen Leben während der Französischen Revolution in den großen Zusammenhang und erschließt damit die historische und mentalitätsgeschichtliche Bedeutung dieser unschätzbar originellen Chronik.

