Eckart Kleßmann

Goethe und seine lieben Deutschen

Ansichten einer schwierigen Beziehung
32.00 Euro, 42.90 sFr
ISBN:9783821862200

»Sie mögen mich nicht! Das matte Wort!
Ich mag sie auch nicht! Ich habe es ihnen nie recht zu Danke gemacht.«

Goethes zornige Bemerkung über die Deutschen charakterisiert das schwierige Verhältnis des Dichters zu seinen Landsleuten – und umgekehrt. Zwar haben ihn die Deutschen zu Lebzeiten respektiert als ihren ersten Dichter, doch geliebt haben sie nicht ihn, sondern Schiller.

Goethe hielten sie für einen suspekten Charakter. Seinem Erfolgsroman Die Leiden des jungen Werther warfen sie vor, er verleite die Leute zum Selbstmord, die Römischen Elegien und Wilhelm Meisters Lehrjahre galten als unsittlich, seine Lebensgemeinschaft mit Christiane Vulpius empfand man als skandalös, seine Verehrung für Napoleon als Verrat, sein Verhalten in den »Befreiungskriegen« als unpatriotisch und unwürdig.

Aber auch Goethe hielt sich nicht zurück: Er bezeichnete das deutsche Volk als »achtbar im Einzelnen und so miserabel im Ganzen«, und man solle die Deutschen wie die Juden über die ganze Welt zerstreuen, forderte er zur Zeit der Demütigung Deutschlands durch Napoleon. Wenn er seine Landsleute kritisierte, sprach er von »den Deutschen«, der Zusatz »die lieben Deutschen« hatte nichts Gutes zu bedeuten und erst im hohen Alter zeigten seltene Formulierungen wie »wir Deutsche« eine Hinwendung, die sich womöglich nur durch eine gewisse Altersmilde erklären lässt. Goethes Kritik galt immer dem »Bildungsbürger«, mit den Leuten »aus dem Volk« hatte er keine Konflikte, sein gutes Verhältnis zu Handwerkern und seinem eigenen Personal ist vielfach bezeugt und an mundartlicher Dichtung hatte er ohnehin große Freude.

An Goethes Biographie entlang beschreibt Eckart Kleßmann mit Kennerschaft und Elan die Beziehung des Dichters zur deutschen Kunst und Kultur, zur deutschen Sprache, zur deutschen Landschaft. Er bringt uns Goethes Plädoyer für eine Weltliteratur wieder nahe, beleuchtet sein ambivalentes Verhältnis zum Judentum und seine Vorstellungen von Deutschlands politischer und wirtschaftlicher Verfassung.

Eckart Kleßmann geht der Geschichte einer von Beginn an spannungsreichen Beziehung und deren Ursachen zu Goethes Lebzeiten nach und schreibt damit nicht »Noch-ein- Goethe-Buch«, sondern das eine, das uns noch gefehlt hat.

 

Eckart Kleßmann, geboren 1933 in Lemgo, schrieb u. a. Bücher über die deutsche Romantik und mehrere Biographien, darunter E. T. A. Hoffmann (1988), Christiane. Goethes Geliebte und Gefährtin (1992), Napoleon. Ein Charakterbild (2000). Für seine Darstellungen historischer Themen wurde er 1998 mit dem Lion-Feuchtwanger-Preis der Berliner Akademie der Künste ausgezeichnet. Eckart Kleßmann lebt in Mecklenburg. Im Frühjahr 2008 erschien in der Anderen Bibliothek als 281. Band Universitätsmamsellen – Fünf aufgeklärte Frauen zwischen Rokoko, Revolution und Romantik.

 

Eckart Kleßmann

Goethe und seine lieben Deutschen

Ansichten einer schwierigen Beziehung

308 Seiten. Gebunden. Band 307 Die Andere Bibliothek im Eichborn Verlag

€ 32,- (D) / sFr 52,- / € 32,90 (A) / ISBN 978-3-8218-6220-0

Pressesperrfrist: 05. Juli 2010

 

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