Neubrasilien
Roman19.95 Euro, 28.50 sFr
ISBN:9783821861326
Guy Helminger erzählt in Neubrasilien von der Suche nach dem guten Leben
Luxemburg im Frühjahr 1828: Eine Gruppe von Landbewohnern, darunter die selbstbewusste Bauerntochter Josette, lässt all ihr Hab und Gut zurück und macht sich auf den Weg nach Brasilien, angelockt von den Anwerbern des brasilianischen Königs, die fruchtbaren Boden und ein gutes Leben versprechen. Der lange Treck marschiert in Mühsal zum Bremer Hafen und muss dort erfahren, dass der Aussiedler genug sind und kein Auswandererschiff mehr Richtung Brasilien den Hafen verlässt. Die Schicksalsgemeinschaft, heimat- und rechtlos geworden, muss ihr Überleben neu organisieren. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als den Rückweg in die alte Heimat anzutreten. Dort siedeln sie sich an auf einer Anhöhe nahe ihres Heimatdorfes, leben von dem, was sie auf den Äckern finden und was sie den ehemaligen Nachbarn entwenden können, werden verachtet als Diebe und Wegelagerer und mehr als einmal müssen sie die Racheakte der Bauern fürchten.
Luxemburg, 170 Jahre später, kurz vor der Wende zum 21. Jahrhundert: Eine Gruppe montenegrinischer Flüchtlinge, darunter das Mädchen Tiha und ihre Familie, kommt nach Luxemburg. Auch sie haben ihr Zuhause verlassen und sind auf der Suche nach einem besseren Leben fernab von der kriegszerstörten Heimat. Sie leben in einem Flüchtlingslager auf engem Raum, knüpfen neue Freundschaften und finden auch Kontakt zu Luxemburgern. Sie richten sich ein in dem neuen Land, ihnen geschieht kein Unglück, sie werden rechtschaffen behandelt, doch eine Perspektive für die Zukunft bietet sich nicht.
Weder für Tiha, noch für Josette werden die Verheißungen eines besseren Lebens in der Fremde wahr. Tiha, die in Luxemburg zum Teenager heranwächst, wird mit ihrer Familie abgeschoben und muss einen Weg für sich in der alten, fremd gewordenen Heimat finden. Josette erfährt gerade dadurch, dass sie nicht nach Brasilien kommt, eine nie gekannte persönliche Freiheit und kann den starren Standesregeln ihrer Gesellschaft entfliehen.
Zwei Erzählstränge fügen sich zu einer großen, universellen Erzählung über das, was Menschen antreibt bei ihrer Suche nach Gemeinschaft und einem guten Leben. Guy Helminger erzählt leise, mit feiner Beobachtung und großer Sprachkraft. Er wechselt die Zeitebenen, der Leser wird immer wieder von einer heutigen und eher moderat geschilderten Flüchtlingsproblematik in eine historische Zeit zurückversetzt, in der die Menschen noch ganz anders um ihr materielles Überleben kämpfen mussten.
Guy Helminger, geboren 1963 in Esch-sur-Alzette, Luxemburg, schreibt Lyrik, Prosa, Hörspiele und Theaterstücke. Außerdem moderiert er das Magazin „Kultur“ im luxemburgischen Fernsehen. Im Jahr 2004 gewann er den 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Zuletzt veröffentlichte er den Roman Morgen war schon.
Pressesperrfrist: 6. September 2010
/// Vorschau
Aktuelle Vorschauen von Eichborn, Eichborn Hörbuch und Die Andere Bibliothek sowie unser Vorschau-Archiv.
mehr


