Wissen Sie noch, wann Sie das erste Mal ein Yogastudio oder einen Bio-Supermarkt betreten haben? Wann plötzlich alle Twens Alcopops tranken, Männer metrosexuell wurden oder Sie das erste Bild mit Ihrem Fotohandy geschossen haben? Dann sind Sie im Zeitalter der Stadtstrandchiller, Datingbörsianer und Sitzsacksitzer angekommen! In 200 Texten von A wie Alcopops, Aromatherapie, Autofähnchen bis Z wie Zahnbleaching, Zehenringe, Zoosendungen lässt Judith-Maria Gillies die Moden und Macken der 2000er Jahre noch einmal aufleben.

»Unsere Nullerjahre« erinnert an die Merkwürdigkeiten des Jahrzehnts, in dem wir mit iPod und Blackberry zum Public Viewing pilgerten und unter Wärmepilzen vorm Coffeeshop Sudokus lösten. In dem wir mit unseren SUVs zur Hotstone-Massage fuhren und anschließend die Energiesparlampen einschraubten, um das Klima zu retten. Und in dem wir die weltweiten Krisen allein durch Wellness, Botox und Anti-Aging faltenfrei überstanden haben.

Alles gut? Zugegeben: Die Frage nervte. Aber in den 2000er-Jahren entkamen wir ihr nirgendwo. »Alles gut?«, begrüßte uns schon frühmorgens der Kollege im Büro, noch bevor wir unseren Coffee to go und unsere Umhängetasche abgestellt hatten. »Alles gut?«, fragte uns die Wellnesstrainerin, als wir nach Feierabend ihre Hot-Stone-Massage genossen. Und schon von Weitem schallte uns ein »Alles gut?« entgegen, als wir uns mit Freunden beim Public Viewing trafen, um mit Klinsi & Co. das Sommermärchen zu feiern. Alles gut? Nun ja. Auf die Frage einfach zu nicken, wäre wohl ein ziemlicher Fake gewesen in diesem Jahrzehnt zwischen 11. September und Finanzkrise. Und daher griffen wir lieber zur typischen Nuller-Antwort. »Alles gut?« – »Nicht wirklich.« Die Nullerjahre – das war unser Jahrzehnt to go. Ans Haus gefesselt war plötzlich niemand mehr. Unser Büro lagerten wir per Hotspot oder Blackberry einfach in den nächsten Coffeeshop aus. Und wem das noch nicht reichte, der wanderte möglicherweise gleich aus,um woanders ein besseres Leben zu beginnen. Die Verbindung zu Freunden und Familie ließ sich dennoch immer halten. Schließlich hatten wir dazu die neue Technik. Wir simsten und googelten, chatteten und bloggten, podcasteten und skypten. Und am High-End twitterten ein paar Wortführer gar ihre Nachrichten in die Welt hinaus. Hauptsache, wir blieben in Bewegung. Und das taten wir. Das fing schon im Babyalter an, wenn Kleinkinder in Joggerkinderwagen durch den Stadtpark gehetzt wurden. Das ging weiter im Kiddie-Alter, wenn Grundschüler auf ihren Kickboards über die Bürgersteige flitzten. Und es hielt auch bis ins Rentenalter an, wenn die Generation 75 plus einfach zum Rollator griff, um mobil zu bleiben. Alle anderen Nuller liefen mit Pappbechern oder Plastikflaschen durch die Gegend und hörten auf MP3-Playern ihre Lieblingssongs in der U-Bahn. Vom Macchiato bis zur Musik: Wenn wir gefragt wurden: »Für hier oder zum Mitnehmen?«,war unsere Antwort klar: »To go, bitte!«

»Unsere Nullerjahre« ist die unterhaltsame und überraschende Rückschau auf ein bald vergangenes Jahrzehnt. Und ein Muss für jeden, der die 2000er Jahre noch einmal erleben will.