Es ist eine der schönsten Erfolgsgeschichten des Jahres: Ein junger Lyriker veröffentlicht bei einem winzigen Verlag, in einer Auflage von 500 Exemplaren, einen Roman, wie er eigenartiger kaum sein könnte: Er handelt nämlich von einer Stadt, die dem Februar (ja genau, dem Monat!) den Krieg erklärt. Ein wunderschönes und ein unheimliches Buch, das normalerweise nach Ausverkauf der Auflage in der Versenkung verschwindet, ohne Spuren zu hinterlassen. Doch es kommt anders: Einer der wichtigsten amerikanischen Regisseure, bewundert für seine phantasievollen und kreativen Filme, wird durch das Internet auf den Roman aufmerksam und sichert sich die Filmrechte. Der Name des Regisseurs: Spike Jonze. Der Name des Autors: Shane Jones. Im Februar 2010 erscheint »Thaddeus und der Februar« auch in Deutschland. Aus dem Englischen übersetzt von Chris Hirte und mit Illustrationen von Ria Brodell.


Krieg gegen den Februar
Klingt das nicht eigenartig? Eine Stadt, die dem Februar den Krieg erklärt? Ein Buch über einen Ballonfahrer, der nicht mehr zum Himmel steigen kann, weil es vom Winter verboten wurde? Eigenartig, klar – aber im besten Sinne. Surrealistisch, poetisch, schön, schräg. »Thaddeus und der Februar« ist ein zeitloses Märchen, wie »Alice im Wunderland« eines ist: eine Geschichte, die uns bei unseren Sehnsüchten packt – und bei unseren Ängsten. Und: eine Parabel über das Geschichtenerzählen. Denn es stellt sich heraus. Der Februar ist ein eigentlich (oder auch?) ein melancholischer junger Mann, der – wie so viele melancholische junge Männer vor ihm – eine Geschichte schreibt. Und zwar die Geschichte der Stadt selbst ...


Wir saßen auf dem Berg und sahen den Ballons zu. Die Flammen in den Ballons erhitzten die Hüllen, bis sie in Neonfarben glühten. Die Kinder spielten Vorhersage. Sie zeigten auf Löcher am Himmel und warteten. Manchmal glühten alle Ballons gleichzeitig und bildeten ein Lichterzelt über der Stadt, unter deren Dächern die Traurigkeit des Februars wuchs. Nächte wie diese werden bald nicht mehr sein, flüsterte mir Selah ins Ohr. Die Tage wurden kälter, die Wolken dichter. Wir saßen auf dem Berg und sahen den Ballons zu. Die Flammen in den Ballons erhitzten die Hüllen, bis sie in Neonfarben glühten. Nächte wie diese werden bald nicht mehr sein, sagte Bianca. Sie kam aus dem Wald gerannt. Dort hatte sie drei Kinder gesehen, die den Eulen die Hälse umdrehten. Nächte wie diese werden bald nicht mehr sein, sagten die Metzger und schritten den Berg hinab. Wir saßen da, um die Ballons zu sehen, ein letztes Mal. Die Neonfarben brannten sich uns ins Gedächtnis ein. Überall in der Stadt quiekten die Schweine, die Scheiben klirrten. Ein Schweinsrüssel, massig und rosa, strich über die Rundung eines Ballons. Der Stoff spannte sich um die dunklen Nasenlöcher - bis zum Zerreißen, und so blieb er. Noch immer standen die Kinder mit erhobenen Laternen in einer Reihe, um zu sehen, wie der erste Februarschnee die Felder bedeckte. Selah senkte den Kopf. Selah faltete die Hände im Schoß. Selah sah die Hinterköpfe der Kinder, sah, wie sich Eisklümpchen in ihren Haaren bildeten.

Das besondere: der Klang der Sprache. Die macht nämlich, dass man sofort wie in einem Tagtraum ist, das man das Gefühl hat, etwas zu erleben, das fremd und vertraut zugleich ist.

/// Trailer zum Buch

/// Das Buch

Shane Jones

Thaddeus und der Februar

Roman
Aus dem Englischen von Chris Hirte
€ 16,95 (D)/ sFr 27,90

ISBN 9783821861074

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/// Hörbuch zum Download auf soforthoeren.de



Shane Jones

Thaddeus und der Februar

Gelesen von Johannes Steck
Ungekürzte Lesung , ca. 148 Minuten
14,95 Euro (D)
ISBN 9783821885278

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/// Webseite zum Buch


Interview mit Shane Jones und mehr Infos zum Buch unter www.thaddeus-und-der-februar.de


/// Vita Shane Jones

Shane Jones wurde 1980 geboren und hat Kurzgeschichten und Gedichte veröffentlicht. »Thaddeus und der Februar« ist sein erster Roman. Erstmals erschienen in einer Auflage von wenigen hundert Exemplaren, verbreitete sich der Ruf des Buches wie ein Lauffeuer - zunächst im Internet, dann bis zu Spike Jonze (»Being John Malkovitch«, »Wo die wilden Kerle wohnen«), der die Filmrechte erwarb. Im Sommer 2010 erscheint der Roman in den USA bei einem großen Verlag ein zweites Mal.

 

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