Andrej Longos Geschichten spielen in den Gassen Neapels, vor schmuddeligen Diskotheken, in engen Behausungen, aber auch in ganz normalen Familien – und sie verwandeln menschliches Scheitern in große Literatur.
Vanessa ist total hübsch. Mit schwarzen Nylons und ihrem Leder-Mini sieht sie aus wie ’ne richtige Frau. Wenn sie mit Lidstrich und High Heels loszieht, dreht sich jeder nach ihr um, obwohl sie erst vierzehn ist und kichert wie ein kleines Mädchen. Ich sag’s ihr immer: »Vanè, du siehst irre aus!« »Bist wohl eifersüchtig«, sagt sie dann. Klar bin ich eifersüchtig. Ist doch normal. Aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass sie zu auffällig ist, dass sie von Tag zu Tag schöner wird, und irgendwann passiert was, irgendwas, aber ich sag lieber nichts, sonst merkt sie, dass ich mir Sorgen mache.
Ein Siebzehnjähriger weiß ganz genau, welches Leben ihn erwartet und sieht sich noch schneller darin gefangen als er dachte. Ein Sänger tritt vor Mafiabossen auf und schließt einen Pakt mit dem Teufel. Eine Frau sehnt sich nach einem ganz alltäglichen Familienleben. Ein Junge erfüllt den letzen Wunsch seiner Mutter. Ein Vater wünscht sich alles für seinen kleinen Sohn, nur dass er nicht so ein Leben führt wie er selbst. Ein Mädchen fasst endlich den Mut, gegen den Vater aufzubegehren. Ein Teenager sticht aus Langeweile einen alten Mann nieder und erhält eine Lehre. Einer kehrt zurück und weiß nicht mehr, wie die Dinge laufen in dieser Stadt. Eine junge Frau verzweifelt am Tag ihrer Hochzeit. Drei Jungendliche legen sich mit Mafiabossen an und werden gebrochen.
Schnörkellos und schlaglichtartig, in authentischer und zugleich poetischer Sprache erzählt Longo von den Mechanismen, die Neapel regieren, von der Krankheit, die diese Stadt befallen hat – und von Menschen, die Gott und die Hoffnung längst verloren haben.
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/// Vita Andrej Longo
Andrej Longo wuchs in Neapel auf und arbeitete u.a. als Pizzabäcker. Heute lebt er als Drehbuchautor vorwiegend in Rom und auf Ischia, doch sein Lebensthema bleibt Neapel. »Zehn« ist sein erstes ins Deutsche übersetzte Buch. Sein neuer, gerade erschienener Roman »Sarahs Mörder« ist in Italien bereits ein Bestseller.
Der Autor ist Gewinner von fünf wichtigen italienischen Literaturpreisen: des Premio Vittorini 2008, Premio Bagutta 2008, Premio Bergamo 2008, Premio Cala di Volpe 2008 und Premio Chiara 2008. Zudem ist er nominiert für den Premio Chomisso, Premio Alassio und Premio Bancarella.
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