FITNESSTRAINING
Meine Entscheidung trainieren zu gehen, hat viel mit der Verschwörung homosexueller Raumausstatter zu tun, die alle Umkleidekabine bundesweit mit Neonlicht ausstatten. Da steh ich dann. Nackt unter Neonlicht. In meinem Ganz-Jahres-Winterspeck. Überhaupt nicht sexy. Linker und rechter Oberschenkel: Hagelschaden. Ringe unter den Augen, dass man damit Seilchen springen möchte, nicht zu vergessen die Fettzellen. Ich hab nichts gegen Fettzellen – aber wieso knubbeln die sich immer alle an einer Stelle? Da ist 1,72 Meter Platz! Aber nein, meine Fettzellen benehmen sich wie besoffene Kölner: »Jote Fründe ston zusammen!« Freu mich auf die Fitnessbude.
FAHRTAGEBUCH (Auszug)
Wieso schleiche ich mit Tempo 30 an verwaisten Baustellen vorbei? Millionen Arbeitslose, aber auf der Autobahn ist immer Mittag. Ich sehe da so gut wie nie einen arbeiten. Und wenn, dann sieht es aus wie TaiChi. Und der eine, der mit dem orangen Fähnchen die Autos wegwedelt, der fächelt sich doch nur Luft zu! Bin gerade wieder an drei Arbeiterdenkmälern vorbei gefahren. Mit Schaufel in der Hand. Hab den Jungs zugerufen: »Ey! Wenn ich Eure Schaufel wegtrete, fallt Ihr dann um?« Schaufel steckt jetzt im Kofferraum neben der Strandtasche.
ERFOLG
Der Künstler lebt vom Applaus? Von wegen. Die Komplimente halten sich in Grenzen. Weiß nicht genau, wie ich es finden soll, wenn ein 14jähriger Gangsta-Rapper, den seine Eltern gezwungen haben mitzukommen, zu uns sagt: »Ey, voll geil, ihr seid ja total krank.« Und seine Eltern, die nicht mal in der Lage sind, das Kind zu vernünftigen Komplimenten zu erziehen, nicken und sagen: »Da hat er Recht, der Justin-Marvin, das war toll, Sie kommen bestimmt mal ins Fernsehen. Es läuft doch so viel Mist im Fernsehen, da können Sie doch auch mal was machen!«