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Johannes Groschupf
”Warum sollte ausgerechnet ich mir einen Roman über ein Hinterhaus in Berlin-Neukölln vornehmen? Weil der Autor Johannes Groschupf heißt. Ich finde seine Art zu schreiben sehr bemerkenswert und habe vor vier Jahren sein erstes Buch empfohlen. Als jetzt sein neuer Roman ?Hinterhofhelden? erschien, habe ich einfach gehofft, dass er — der Autor — mich mit seiner Sprache ähnlich unwiderstehlich in eine Geschichte hineinzieht wie beim ersten Mal. Genauso ist es passiert. Die Hinterhofhelden sind großes Kino. Im wahrsten Sinne des Wortes. Man sieht Bilder, sobald man anfängt zu lesen. Und die restlichen vier Sinne hat man auch sofort beisammen, während man in die Geschichte hineinrutscht. Wenn Johannes Groschupf erzählt, kommt das vorsichtig, beinahe beiläufig daher. Man steht als stiller Beobachter am Rande und ist doch mittendrin. Und wenn die Geschichte Fahrt aufnimmt, geschieht das mit einer sanften Wucht. Es wäre ein Geschenk, wenn einer auf die Idee käme, aus diesem Buch einen Film zu machen. Die Hinterhofhelden hätten es verdient, groß rauszukommen. Und sie haben aus mir für 217 Seiten einen echten Berlin-Freund gemacht. Berlin Neukölln, wohlgemerkt.“
(Christine Westermann, WDR 2, 14. April 2009)
Hinterhofhelden
Roman
224 Seiten
19.95 Euro, 31.90 sFr
Februar 2009
ISBN:9783821858463
Erste Ausfahrt Neukölln
Eine lakonische Komödie über den westdeutschen Studenten Hans Odefey, der im rauen Herzen eines Neuköllner Hinterhauses leben, lieben und sich zu wehren lernt.
Man kann nicht sagen, dass es Liebe auf den ersten Blick ist: der etwas wirklichkeitsfremde, zartgliedrige Student und die kleine Etagenwohnung, in dem er soeben Quartier bezogen hat. Dort ist Wohnen zwar billig, doch schon bald hat der vierschrötige und etwas cholerische Hausmeister ihn auf dem Kieker — dessen altersreife Frau auf ganz unverblümte Weise auch. Und dann ist da noch Meentje, die er auf einem seiner Streifzüge mit der Fotokamera aus den Fängen der BVG-Kontrollöre befreit und die ihm ihr Herz schenkt und es ihm wieder nimmt. So gewöhnungsbedürftig Neukölln und seine Welt, der Geruch von Küchenabfällen, Kohlsuppe und alten Zeitungen für Hans auch sind, er begreift schnell, dass das Leben hier echter ist, direkter. Das gilt für die Frauen, die in dem jungen Schlacks eher eine willkommene Abwechslung sehen, und erst recht für die Männer, von denen er viel lernen kann — und muss.
Johannes Groschupf liefert das eindrückliche und höchst präzise Porträt eines berüchtigten Stadtteils, lässt aber zugleich seinen Helden mit der Naivität eines Monsieur Hulot oder eines Simplizissimus durch diese raue Welt spazieren. Mit behender Leichtigkeit balanciert er auf dem schmalen Grat zwischen Bildungs- und Schelmenroman, zwischen Abgrund und Groteske.

